Life Coaching: Die unappetitliche
Seite eines Trends

Während der letzten Monate und Wochen habe ich mich intensiv mit Life Coaching beschäftigt, bzw. mit der, wie ich sie nenne, „spirituellen-Selbsthilfe-Szene“. Und ja, ich bin ein Teil dieser Szene. Denn vor allem das, was ich während des Telefon-Mentorings mache, kann man als Life Coaching bezeichnen.

Die Definition von Life Coaching

Das „Coaching Magazin“ beschreibt Life Coaching so: „Life Coaching ist ein breit gefasstes Coaching-Konzept, das – im Gegensatz zum Business-Coaching – alle Lebensbereiche umfasst. In der Regel steht beim Life Coaching die persönliche Weiterentwicklung des Klienten im Fokus des Veränderungsprozesses.“

Im Jahr 2012 habe ich mit der bezahlten, telefonischen Beratung angefangen, weil ich häufig darum gebeten wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich viele Frauen kostenlos per Telefon oder E-Mail beraten. Doch das kostete mich irgendwann so viel Zeit, dass ich es mir nicht mehr leisten konnte. 

Zwar habe ich meine Dienstleistung nicht als Life Coaching angeboten, mich selbst aber als Coach bezeichnet. Denn damals schien mir dieser Begriff am passendsten. Und an dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass sich jeder Coach nennen darf. „Coach“ ist also keine geschützte Berufsbezeichnung, für die man eine bestimmte Qualifikation braucht. 

Einfache Lösungen für komplexe Herausforderungen?

Und das ist eine der Ursachen dafür, dass Life Coaching eine durchaus unappetitliche Seite hat. Denn diese leichte Einstiegshürde hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass häufig zu einfache oder sehr fragwürdige Lösungen für zu viel Geld angeboten werden. Und das ist nicht nur moralisch fraglich, sondern kann auch gefährlich werden. Vor allem dann, wenn Menschen angesprochen werden, die psychisch labil sind. 

Was dem Life Coaching – neben dem Selbstoptimierungstrend – in die Tasche spielt, ist, dass man in Deutschland mittlerweile durchschnittlich fünf Monate auf einen Therapieplatz warten muss. Das erklärt unter anderem, warum die Nachfrage nach Life Coaching gestiegen ist. 

Und selbstverständlich ist Life Coaching nicht generell schlecht. Genau so, wie Therapie nicht generell gut ist. Auch ist es völlig in Ordnung, Geld für seine Dienstleistung zu erhalten. Doch was ich persönlich übel finde ist, dass viele der bekannten Coaches nicht deshalb so bekannt geworden sind, weil sie besonders gut im Life Coaching sind. Sondern weil sie sehr gutes Marketing machen, auf Kritik mit gepfefferten Anwaltsschreiben reagieren und/oder moralisch scheinbar eher flexibel sind. 

Meine Life Coaching Grenzen

Bevor ich mit dem Life Coaching angefangen habe, war ich bei einer Anwältin für Medizinrecht und habe mit von ihr versichern lassen, dass das, was ich machen möchte, rechtlich in Ordnung ist. Und mir selbst war und ist es wichtig, dass die Frauen, mit denen ich zusammenarbeite, entweder zusätzlich in Therapie sind oder bereits (mehrfach) waren.

Auch arbeite ich nur mit Frauen zusammen, die ein eigenes Einkommen haben und sich das Mentoring leisten können, ohne sich dafür verschulden zu müssen. Und meine Preise sind so moderat, dass sie auch noch nach 12 Jahren Erfahrung unter dem Durchschnitt liegen. 

Doch all das mache ich nicht, weil ich ein besonders guter Mensch bin, sondern weil mir mein Seelenfrieden wichtig ist. Deshalb beneide ich auch die bekannten Coaches nicht. Denn sie alle haben Teams, die (finanziell) von ihnen abhängig sind. Und die meisten von ihnen bieten regelmäßig sehr viel kostenlosen Content – üblicherweise einen Podcast – der finanziell (sofern es keine Sponsoren gibt) nichts einbringt. 

Also muss es ja Life Coaching Events geben, die möglichst viel Geld einbringen, um all das finanzieren zu können. Diese Art der Abhängigkeit empfinde ich nicht als erstrebenswert. Sondern für mich war und ist es wichtig, was ich mache, alleine machen zu können. Denn neben meinem inneren Frieden ist mir auch meine persönliche Freiheit bzw. Unabhängigkeit enorm wichtig. Letztlich ist das die Basis dessen, was ich mache. Und wie will ich das weitergeben können, wenn ich es selbst nicht (mehr) habe?

Life Coaching

Life Coaching Events

Mich reizen auch weder die Bühnen noch die Zuschauerränge der großen Life Coaching Events. Denn dort bekommt man professionelle Vorträge geliefert, die meist zigfach aufgewärmt wurden. Und ich finde, das spürt man.

So war ich beispielsweise aus Neugierde 2018 in Köln bei der Rednernacht von Gedankentanken (heute: Creator Festival) in der Lanxess Arena. Dort traten u. a. Robert Betz, Stefan Frädrich, Tobias Beck und Sabine Asgodom auf. Große Namen in einer riesigen Arena. Den selben Vortrag von Frau Asgodom hatte ich übrigens schon Jahre zuvor auf einer Veranstaltung in Frankfurt gehört. Fairerweise gilt es anzumerken, dass Sabine Asgodom damals kurzfristig für Laura Seiler einsprang.

Doch der einzige Auftritt, der mich tatsächlich berührt hat, war der von Dunja Hayali und Carolin Kebekus. Und das waren keine professionellen Vorträge, sondern Frau Hayali bekam einen Preis verliehen und Frau Kebekus war die Laudatorin. 

„Selbstoptimierungssucht“

Während dieser Veranstaltung lernte ich eine Frau kennen, die schon unzählige Veranstaltungen besucht und schon zigtausende von Euro in die „Life Coaching Pakete“ diverser Coaches gesteckt hatte, die auf solchen Veranstaltungen üblicherweise angepriesen werden.

Auf mich machte diese Frau den Eindruck, als sei sie regelrecht besessen von ihrer Selbstoptimierung und diese Coaches waren ihre Götter, die nicht hinterfragt werden durften. Sie schien mir geradezu süchtig nach Life Coaching. Das bestätigen mittlerweile übrigens auch Anlaufstellen, die eigentlich Hilfe für Aussteiger aus Sekten anbieten … .

Worauf achten beim 1:1 Life Coaching?

Doch selbstverständlich gibt es auch gute und seriöse Coaches. Und falls du auf der Suche nach einem Life Coach bist, würde ich an deiner Stelle Folgendes berücksichtigen:

  1. Wie so oft liegt die Lösung auch beim Life Coaching in den Grautönen: Ich würde mir weder einen ganz bekannten, noch einen völlig unbekannten Coach suchen. Zunächst würde ich mir Websites anschauen, mir einige Tage Zeit geben, auf mein inneres Feedback System hören und erst dann entscheiden.
  2. Wichtig finde ich auch, keine Verträge für Life Coaching Pakete über mehrere tausend Euro zu unterschreiben, aus denen man wahrscheinlich nicht mehr herauskommt. Das ist vor allem dann nicht empfehlenswert, wenn man noch nie 1:1 mit diesem Coach gearbeitet hat.
  3. Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es das meistens auch: Wer dir schnelle und einfache Lösungen für komplexe Themen verspricht, wird wahrscheinlich nicht halten können, was er verspricht. Und das liegt dann nicht an dir. Ein Beispiel hierfür ist das Manifestieren.
  4. Nur weil etwas sehr teuer ist, ist es nicht automatisch auch sehr gut: Gerade Coaches mit wenig Erfahrung haben häufig selbst ein Business Coaching hinter sich, in dem sie gelernt haben, dass sie hohe Preise für ihr Life Coaching nehmen sollen. Denn dann brauchen sie nur wenige Klienten. 
  5. Der durchschnittliche Preis für 60 Minuten Life Coaching liegt nach meinen Internet-Recherchen bei ungefähr 197 Euro brutto.

Die wichtigsten Bücher sind die, die du selbst schreibst:

Worauf achten beim Gruppen Life Coaching?

Life Coaching in der Gruppe ist mittlerweile sehr verbreitet. Und die Möglichkeit des Austauschs mit Gleichgesinnten kann unterstützend sein.

Wenn es dir wichtig ist, tatsächlich in der Gruppe Gehör zu finden und auch direkt mit dem Coach zusammenzuarbeiten, der das Life Coaching anbietet, solltest du darauf achten, dass die Teilnehmerzahl begrenzt ist.

Doch das ist gerade bei den bekanntesten Coaches meistens nicht der Fall. Es gibt Videoaufzeichnungen, jegliche Art von Betreuung erfolgt durch ein Team und – falls es Life Calls oder Zoom Meetings etc. gibt – ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass du mit dem Coach selbst interagieren kannst. 

Mit Gruppen-Programmen kann man sehr viel Geld verdienen, vor allem dann, wenn die Teilnehmerzahl nicht begrenzt ist. Denn es ist ein großer Unterschied, ob man für dieselbe Arbeit von 20 Leuten oder von 2.000 Leuten jeweils 400,00 Euro bekommt. 

Auch sollte dir bewusst sein, dass die Themen in großen Gruppen eher allgemein sind. Denn es ist leichter, den kleinsten gemeinsamen Nenner für 20 Menschen zu finden als für 2.000.

Lohnt sich eine Ausbildung zum Life Coach?

Immer mal wieder werde ich per E-Mail gefragt, ob ich eine Life Coaching Ausbildung für sinnvoll erachte und falls ja, welche. Denn einige Coaches bieten mittlerweile auch eine Ausbildung zum Life Coach an. Über die Qualität dieser Ausbildungen kann ich nichts sagen, denn ich kenne die Inhalte und Abläufe nicht.

Nur möchte ich daran erinnern, dass keinerlei Ausbildung nötig ist, um Life Coaching anzubieten. Und Coaches, die die Ausbildungen anbieten, haben selbst keine entsprechende Ausbildung gehabt, oder sich ebenfalls von einem Coach ausbilden lassen, der keine Ausbildung hatte. Deshalb ist davon auszugehen, dass Life Coaching Ausbildungen in Inhalt und Qualität stark variieren. 

Ich habe nicht nur eine erfolgreich abgebrochene Coaching Ausbildung bei einem Institut, sondern auch eine erfolgreich abgebrochene Yoga-Lehrerinnen Ausbildung hinter mir. Beide Ausbildungen haben ich vor vielen Jahren mit dem Argument „Ich mache das in erster Linie für mich.“ angefangen. 

Doch während der Ausbildungen habe ich gemerkt, dass mich Vieles nicht anspricht oder interessiert, auf mich nicht zutrifft, für mich unnötig ist, etc. Doch ich kenne auch Frauen, die von ihrer jeweiligen Ausbildung begeistert waren. Das hat, glaube ich, auch viel damit zu tun, wo man persönlich gerade steht. Ich selbst habe mir nach meinem Studienabschluss versprochen, nie wieder irgendeine Ausbildung etc. zu beenden, nur um hinterher ein Zertifikat in der Hand zu halten. Sondern ich lerne ständig, aber konsequent nur das, was mich wirklich interessiert. Übrigens ist auch die Bezeichnung Yoga-Lehrerin nicht geschützt. 

Ob sich eine Ausbildung lohnt, um Life Coaching zu lernen, muss jede selbst entscheiden bzw. herausfinden. Für die Coaches, die Ausbildungen anbieten, lohnt es sich – wie beim Gruppen Life Coaching – vor allem dann, wenn die Gruppe möglichst groß ist.

Coaching Studie

Die Marburger Coaching-Studie zeigt, dass der Coaching-Markt in den letzten vier Jahren weltweit um rund 50 Prozent gewachsen ist. Im deutschsprachigen Raum ist ein starker Anstieg zu verzeichnen: Geschätzte 10.000 Business– und mehr als 30.000 Life Coaches gibt es aktuell (Stand: 2021/2022). Laut der Studie wächst der Markt jährlich um 10 bis 15 Prozent.

Die Nachfrage nach Life Coaching ist also da, aber die Konkurrenz auch.

Persönliche Konsequenzen

Bin ich eine frustrierte, neidische Nestbeschmutzerin? Ja, die Entwicklung der Life Coaching Szene frustriert mich manchmal. Auch gibt es kurze Momente, in denen ich diejenigen, die konsequent dem Weg des Geldes folgen, beneide. Doch so bin ich, ironischerweise als studierte Ökonomin, eben nicht.

Schon seit zwei Jahren biete ich keine Gruppen-Telefon-Mentorings mehr an. Und auch das Einzel-Telefon-Mentoring habe ich reduziert. Außerdem bezeichne ich mich nicht mehr als Mentorin sondern als Muse. Vielleicht empfindest du das als komisch. Doch für mich beschreibt dieser Begriff am besten, was mir wirklich wichtig ist: 

Ich möchte dich inspirieren, animieren und manchmal auch amüsieren.

Nahrung für dein inneres Gleichgewicht möchte ich dir servieren. Und dir zeigen, wie du ein Leben nach deinem Geschmack leben kannst und dass das Kompensationsmethoden wie Essstörungen die Nahrung entzieht. Dabei geht es nicht um Selbstoptimierung, sondern um Selbsterkenntnis, Selbstverständnis und Selbstannahme. Es geht darum, dich selbst, dein Selbst, in der Tiefe zu erkennen und dir erlebbar zu machen, dass du gut genug bist. Und dieser SelbstErlebnisWeg ist ein Weg der vielen, kleinen Schritte. Ein Weg, der Zeit braucht.

Aber es ist vor allem ein nachhaltiger Weg, den es sich zu gehen lohnt!

Weniger Dienstleistung – mehr Produkt

Das Feedback, das mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist, nicht für meine „Dienstleistung“ Life Coaching, sondern für mein „Produkt“, das Selbsthilfeprogramm LEICHTER, bekommen. Nachdem ich mich mit dem Satz „You made my day!“ für das eigentliche Feedback per Mail bedankt hatte, kam eine erneute Antwort mit diesem einen Satz: „You made my life!“

Selbstverständlich ist mir klar, dass nicht ich das Leben dieser MindMate gerettet habe. Sondern das hat diese sie selbst – mithilfe meines Programms – gemacht. 

Genau das ist mir in den letzten Wochen nochmal sehr bewusst geworden: Entscheidend ist nicht mein Input, sondern dein Output. Und wenn du dem richtigen Input zum passenden Zeitpunkt begegnest, dann reicht ein guter Kurs völlig aus, um dich bei dem Output zu begleiten.

Abgesehen von moderaten Preisen ist das Praktische an einem Kurs: Falls der Zeitpunkt nicht gepasst hat und du abgebrochen hast, kannst du Monate oder Jahre später einfach von vorn anfangen oder dort weitermachen, wo du aufgehört hast. Oder du machst denselben Kurs mehrmals. Das ist häufig hilfreicher, als ständig etwas Neues auszuprobieren.

Seit einiger Zeit arbeite ich übrigens an einem neuen Kurs, der sich ausschließlich an Frauen mit Essproblemen richtet. Nachdem ich einige Monate Abstand zu dieser Thematik hatte, habe ich jetzt wieder richtig Lust darauf.

Außerdem habe ich wieder mein soziales Preismodel von früher eingeführt: Schülerinnen, Studentinnen, Auszubildende, Arbeitssuchende und Rentnerinnen zahlen einen geringeren Preis für die Kurse.

Sicher im Körper – Selbstsicher im ErLeben: Der SelbstErlebnisKurs

Kostenlose Inhalte anders finanzieren

Auch möchte ich die kostenlosen Inhalte des MindMagazines nicht ausschließlich durch die Einnahmen der Kurse sondern über Werbeeinnahmen finanzieren. Denn einen Beitrag wie diesen hier zu erstellen, kostet viel Zeit. Hierzu werde ich vor allem mein Amazon-Shop ausbauen und häufiger verlinken.

Falls du Amazon Kundin bist und über meinen Shop (Werbung) einkaufst, bekomme ich eine kleine Provision (1% bis 6%) und du zahlst den regulären Preis. Wer also weniger bekommt, ist Amazon. Wenn ich dort einkaufe, nutze ich immer die Links von Bloggern etc., die ich unterstützen möchte. Ich finde, dass das eine typische Win-Win-Situation ist: Ich kaufe was ich brauche, unterstütze jemanden von dem ich profitiere und zahle nicht mehr.

Was andere Kritisches über Life Coaching sagen

Abschließend findest du hier noch einige der Videos zum Thema Life Coaching, die ich mir während der letzten Monate auf YouTube angeschaut habe:

Psychotricks: Die bizarren Shows der Life Coaches

Im Sog der Coaching-Szene

Das Coaching-System: Ist Mindset wirklich alles?

Life Coaching Erfahrungen 

Spiritualität: Wie Coaches an ihre Kunden kommen

Coaching: Das Geschäft mit der Hoffnung

Und hier noch etwas wirklich Unappetitliches, unterhaltsam serviert, über den Godfather des Life Coaching, Tony Robbins:

The problem with Tony Robbins (Englisch):

Deep Dive 1

Deep Dive 2

So, abschließend noch mal: Life Coaching ist nicht per se gut oder schlecht, sondern es gibt – wie in jedem Dienstleistungsgewerbe – bessere und schlechtere Life Coaching Anbieter.

Und deshalb lege ich dir an dieser Stelle noch mal mein Motto ans Herz:

Sei DIR selbst gegenüber absolut ehrlich und nutze das, was DIR hilft, solange DU es brauchst.

Mind your gurus.

MindMuse Simone