JOMO: Joy of missing out

Liebe MindMate, es sind schon einige Wochen vergangen seit ich offiziell verkündet habe, dass ich nichts mehr in den Sozialen Medien poste. Seitdem lebe und erlebe ich JOMO.

Du kennst wahrscheinlich den Begriff FOMO (Fear of missing out). Dabei geht es – vor allem in Bezug auf die Sozialen Medien – um die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen bzw. sich falsch zu entscheiden. Doch auch für das Gegenteil gibt es einen Begriff. Nämlich JOMO: Joy of missing out. Hierbei handelt es sich dementsprechend um die Freude die wir erleben können, wenn wir nicht ununterbrochen online bzw. erreichbar sind.

FOMO – andere wissen, was ich brauche

Schaue ich auf meine (Internet)Vergangenheit zurück, wurde es immer dann problematisch, wenn ich zu sehr auf das Außen fixiert war. Und ich habe dann zu sehr auf das Außen geschaut, wenn ich innerlich zu unsicher war. Nehmen wir mal mein Online-Business als Beispiel. Als ich mit lebenshungrig.de anfing, gab es den Begriff Online-Business noch gar nicht. Es gab auch keine entsprechenden Coaches oder Berater. Ich musste also Vieles selbst herausfinden und ausprobieren. Und das war rückblickend gut so.

Denn als es dann einige Jahre später Online-Business Coaches gab, habe ich mich häufig dabei ertappt, dass ich ihre Ideen oder Herangehensweisen automatisch besser fand als meine eigenen. Heute weiß ich, dass das wenig über die Qualität dieser Coaches und viel über mein Selbstvertrauen ausgesagt hat. Mittlerweile gibt es extrem viele Online-Business Coaches und auch in der Selbsthilfe-Szene sieht es ähnlich aus. Einerseits ist das begrüßenswert, doch andererseits birgt es auch Gefahren.

Geschrei auf engem Raum

Denn wenn es immer mehr Händler in der Markthalle gibt, muss der einzelne Händler immer lauter schreien um sich Gehör zu verschaffen. In Bezug auf das Internet heißt das: Die Marketingstrategien werden immer extremer, die Versprechen immer exorbitanter, der Druck – auf beiden Seiten – immer größer.

Während beispielsweise früher mit einer „Strategie, mit der du vierstellige Umsätze im Monat erzielst“ geworben wurde, so sind es heute meist „sechstellige Umsätze monatlich, die sofort und mühelos erzielt werden können“. Und diese neuen Strategien sind natürlich die einzigen die funktionieren und sie sind gerade jetzt – und nur jetzt – zum Vorzugspreis erhältlich, der mindestens vierstellig ist. Angeblich muss man also – um sehr viel Geld verdienen zu können –  erst mal viel Geld investieren. Und wenn es dann nicht klappt, ist man natürlich selbst Schuld.

Mittlerweile erinnert mich das ein bisschen an das „Prinzip Diät„: Die Personen A, B und C behaupten zu wissen, was wir wann und wie viel davon essen sollen.  Dabei vertritt Person A eine völlig andere Meinung als B und C. Wir entscheiden uns für A. Und wenn das langfristig für uns nicht funktioniert, dann ist das natürlich unsere Schuld weil es uns an Disziplin und Willenskraft mangelt. So werden Selbstzweifel genährt. Also versuchen wir die Diät von Person B und danach die von C.  Anstatt spätestens jetzt an dem „Prinzip Diät“ zu zweifeln, verzweifeln wir an uns selbst…

JOMO – ich finde heraus, was ich brauche

Auch in der Selbsthilfe-Szene sieht es ähnlich aus und das macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Denn selbstverständlich ist Veränderung möglich und (Hilfe zur) Selbsthilfe kann funktionieren. Davon bin ich nach wie vor absolut überzeugt. Denn das erlebe ich nicht nur  an mir selbst, sondern auch seit über 18 Jahren durch die Begleitung vieler MindMates. Noch immer bin ich davon überzeugt, dass das – was ich den SelbstErlebnisWeg nenne – der einzige Weg ist, der nachhaltig zu einem glücklichen und gesunden ErLeben führt.

Doch ob und wann und wie du diesen Weg gehst und von wem du dich wie etappenweise begleiten lässt, ist so individuell, wie du selbst es bist.

Denn es führen nicht nur viele Wege nach Rom, es führen auch viele Wege zu dir selbst.

Es gibt nicht nur die eine Möglichkeit und Methode, die du unbedingt jetzt kennen lernen und dauerhaft anwenden musst.

JOMO – Ruhe in dir

Und um dich im Influencer und Selbsthilfe-Dschungel – oder auch in der (Online) Fort- und Weiterbildung –  zurecht zu finden, kann JOMO sehr hilfreich sein. Gönne dir Zeiten, in denen du dein Handy, das Internet und die Sozialen Medien nicht nutzt. Und mach dir bewusst, dass das kein Verzicht ist. Sondern offline zu gehen ist die Chance, dich mit dir selbst zu verbinden. Und wenn du Kontakt zu dir selbst hast, triffst du auch bessere Entscheidungen.

Wenn du beispielsweise überlegst, ein Online-Programm zu erwerben, ein Coaching zu buchen oder auch nur ein Buch zu kaufen, praktiziere JOMO bevor du dich entscheidest:

Spricht dich dich das Angebot tatsächlich an oder wird FOMO durch aggressives Marketing in dir getriggert?

Wie reagiert dein inneres Feedback-System, was nimmst du in deinem Körper in Bezug auf das Angebot wahr?

Findest du den Preis angemessen und kannst und willst du dir das Angebot leisten?

Bist du bereit, Zeit in das Angebot zu investieren?

Woraus schließt du, dass die Anbieterin lebt was sie lehrt und nicht nur eine Theorie vermittelt?

Macht es vielleicht Sinn, nochmal eine Nacht darüber zu schlafen und dich erst morgen zu entscheiden?

Gibt es ein klares „JA“ in dir für das Angebot, go for it!

Etwas Neues oder ein neuer Umgang?

Vielleicht fragst du dich auch, warum du die theoretischen Erkenntnisse die du bisher durch Kurse, Bücher, Therapien oder Coachings hattest, nicht umgesetzt hast. Und das ist prinzipiell eine sehr gute Frage. Entscheiden dabei ist, wie du dich fragst. Fragst du dich offen und ehrlich, neutral und analytisch wie eine Wissenschaftlerin, damit du auch die richtige Antwort bekommen kannst?

Oder fragst du dich voller Selbstvorwürfe, so dass die Antwort mal wieder nur die Abwärtspirale „Ich bin halt nicht gut genug!“ lostritt?

Auch hier kann JOMO helfen. Denn vielleicht brauchst du gar nicht den nächsten Kurs oder das aktuellste Buch sondern einen anderen Umgang mit den Dingen, die du bereits hast.

Obwohl das Selbsthilfeprogramm LEICHTER jetzt schon länger nicht mehr online ist, bekomme ich nahezu wöchentlich Mails von ehemaligen Teilnehmerinnen. Sie haben das Programm gekauft und angefangen, irgendwann abgebrochen und aus Frust und Selbstbestrafung die Materialien nicht abgespeichert.

Und dann kommen sie Monate oder sogar Jahre später auf mich zu und fragen, ob ich ihnen das Programm noch mal zur Verfügung stellen kann. Und ja, aktuell kann ich noch und das mache ich auch. Kostenlos. Denn ich freue mich immer, wenn sich eine MindMate eine zweite Chance gibt, egal wobei und womit.

Und bei einer zweiten, dritten oder zehnten Chance geht es meistens um einen anderen Umgang mit uns selbst. Um mehr Geduld, Vertrauen und Verständnis. Und dementsprechend um weniger Perfektionismus, Verurteilung und Druck.

Der SelbstErlebnisWeg ist immer da

Vielleicht hast du die ein oder andere Abkürzung verpasst. Doch der Weg zu dir selbst ist jederzeit gehbar, egal wo du gerade stehst. Und wie jeder andere Weg beginn er mit dem nächsten Schritt in die richtige Richtung.

JOMO kann dieser Schritt sein. Und zwar nicht nur in Bezug auf das Internet.

Mind your JOMO:

Auf welche anderen Dinge oder Aktivitäten kannst du genussvoll verzichten?

MindMuse Simone