Ist Ernährungsberatung
(bei Essstörungen) sinnvoll?

Warst du schon mal bei einer Ernährungsberatung?

Immer mal wieder höre ich, dass Ernährungsberatung bei Essstörungen empfohlen wird oder dass Frauen mit einem gestörten Essverhalten von sich aus eine Ernährungsberatung machen.

Was ist eine Ernährungsberatung?

Wikipedia definiert Ernährungsberatung wie folgt:

Eine Ernährungsberatung vermittelt Informationen über ernährungsphysiologische, biochemische und allergologische Zusammenhänge der Ernährung und beinhaltet Beratung zur Lebensmittelstruktur, deren Herstellungsprozessen und gegebenenfalls auch zu Themen wie Essverhalten, Lebensführung, Körperbewusstsein und Sport.

Und da das Essverhalten bei essgestörten Frauen problematisch ist, könnte es theoretisch ja Sinn machen, eine Ernährungsberatung zu machen, oder?

Essen ist nicht das Problem

Die Erkenntnis, dass weder das Essen noch mein Körper das ursprüngliche Problem meiner Essstörung gewesen sind, war ganz entscheidend, um wieder gesund werden zu können. Doch weil das Essen nicht das Problem ist, kann auch die Lösung nicht im Essen liegen.

Sondern sie liegt meiner Erfahrung nach im Loslösen vom Essen.

Und genau das macht eine Ernährungsberatung naturgemäß nicht. Sie fokussiert sich auf das Essen und das Essverhalten. Meist bekommt man einen Ernährungsplan und wird vielleicht auch gebeten, ein Ernährungstagebuch zu führen. Doch egal, wie gut der Plan theoretisch ist, in der Praxis ist er letztendlich nichts anderes als eine Art Diät. Und Diäten waren für viele Essgestörte die „Einstiegsdroge“ in die Essstörung. Da ist dieser Moment, in dem der Kopf die Macht über den Körper bekommt. Und dadurch werden wir immer besessener von Essen und Gewicht.

Sofern jemand nicht lebensbedrohlich über- oder untergewichtig ist, sollte das Essen bzw. das Essverhalten meiner Meinung nach viel beobachtet und möglichst wenig beeinflusst werden. Denn auch wenn die meisten Essgestörten nach einer Ernährungsberatung motiviert sind und sich zunächst diszipliniert an den Plan halten, wird es langfristig nicht funktionieren.

Es sei den, man ist magersüchtig. Denn dann glaubt man ja – zumindest anfangs – man habe die Kontrolle. Doch Magersüchtige können zwar meist ihr Essverhalten kontrollieren, sind aber nicht (mehr) in der Lage, die Auswirkungen ihres Essverhaltens auf ihren Körper realistisch einzuschätzen.

Bei Bulimikerinnen und Frauen mit einer Binge Eating Disorder wird der Druck immer größer und es gibt Rückfälle. Und dann kommt das schlechte Gewissen, die Selbstverurteilung, die Selbstzweifel bis hin zum Selbsthass. Und diese Gefühlsladung zieht dann häufig den nächsten Rückfall nach sich. Wenn das der Fall ist, kann eine Ernährungsberatung den typischen Teufelskreis Essgestörter nähren.

Ernährungsberatung als Bestandteil von Therapie

Kürzlich kontaktierte mich die Mitarbeiterin einer Therapieeinrichtung und berichtete frustriert davon, dass Ernährungsberatung, Essenspläne und -tagebücher sowie Gewichtsverträge noch immer Bestandteil in Therapieeinrichtungen sind. Und das kann ich natürlich nicht ändern. Doch ich kann darauf hinweisen, dass das meistens kontraproduktiv sein wird.

Denn jeder Plan – und sei er noch so gut – setzt doch voraus, dass man sich daran halten muss, um das entsprechende Ergebnis erzielen zu können. Oder anders gesagt: Wer sich an einen Essplan halten will, der muss sein Essverhalten kontrollieren können. Doch genau das können Essgestörte doch nicht (mehr).

Einer Essgestörten einen Ernährungsplan einer Ernährungsberatung zu geben ist in etwa so, als würde man versuchen, einem Alkoholiker das kontrollierte Trinken beibringen zu wollen. Auf diese absurde Idee kommt niemand, oder? Doch während es für Alkoholiker notwendig und möglich ist, komplett auf Alkohol zu verzichten, ist das bei Essgestörten natürlich nicht der Fall. Menschen müssen nun mal essen.

Und für Essgestörte liegt nach meiner Erfahrung die Lösung darin, die Kopf-Kontrolle des Essverhaltens komplett aufzugeben und wieder auf das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl des Körpers zu hören und auch die eigenen Gelüste wieder als etwas Natürliches wahrzunehemen.

Selbstverständlich gehört als Voraussetzung dafür dazu, die Ursache(n) der Essstörung zu erkennen, zu verstehen und Häppchen für Häppchen zu beseitigen. Doch dazu braucht es keine Ernährungsberatung.

Beobachten statt Beeinflussen

Wir können viel von der Essstörung lernen, indem wir unser Essverhalten beobachten. Dazu kann es sinnvoll sein, für einen kurzen Zeitraum eine Art Essverhaltens-Tagebuch zu führen. Denn das kann uns helfen, Zusammenhänge zwischen Rückfällen und vorangegangenen Ereignissen zu erkennen. Denn Rückfälle passieren nicht einfach so, sondern dann, wenn wir unsere Grenzen zu oft überschritten und unsere Bedürfnisse zu häufig unterdrückt haben.

Kennst du schon die neuen NurtureNotes „Selbstzweifel auf Diät nehmen ab.“, „Wonach hungerst du wirklich?“ und „Selbstliebe schmeckt köstlich.“? (Werbung)

Deshalb finden Rückfälle meist nachmittags und/oder abends statt. Denn bis dahin haben wir tagsüber funktioniert. Und wir funktionieren mithilfe unserer Willenskraft.  Doch die steht uns nicht unbegrenzt zur Verfügung. Haben wir also im Laufe des Tages unsere Grenzen zu häufig missachtet und unsere Bedürfnisse zu sehr ignoriert, ist das – in Kombination mit ermüdeter Willenskraft – der Nährboden für Rückfälle. Und dem kann eine Ernährungsberatung wenig entgegensetzten.

Wir sind also nicht willensschwach oder undiszipliniert, sondern wir haben unsere Willenskraft im Laufe des Tages zu häufig beanspruchen müssen, um unsere Grenzen zu überschreiten und unsere Bedürfnisse ignorieren zu können. Und hinzukommen kann der physische Hunger, weil unser Kopf unserem Körper tagsüber zu wenig Nahrung erlaubt hat.

Ernährungstrends und Ernährungsberatung

Seien wir doch mal ehrlich: Niemand weiß so viel über Ernährung wie Essgestörte. Doch was nützt dir dieses Wissen? Und dann gibt es auch noch permanent neue Ernährungstrends mit der entsprechenden Ernährungsberatung dazu. Doch Fakt ist doch auch, dass sich diverse Trends, wie beispielsweise Paleo und Veganismus,  widersprechen.

Außerdem ist es hilfreich zu wissen, dass die Bezeichnung „Ernährungsberaterin“ nicht geschützt ist. Es kann also prinzipiell jede Person Ernährungsberatung anbieten.

Zwar war ich nie bei einer Ernährungsberatung, doch ich konnte Kalorientabellen auswendig und habe bei jeder Mahlzeit im Kopf mitgerechnet. Und natürlich gab es meine ganz persönliche Einteilung in „gute“, bzw. „gesunde“ und „kalorienarme“ Lebensmittel sowie eine Kalorienobergrenze.

Und all das hat lediglich dazu geführt, dass sich mein Denken immer mehr um Essen und Mahlzeiten gedreht hat. Mein Kopf war voller kranker Gedanken über gesunde Lebensmittel. Und das hat dazu geführt, dass ich meinen Körper ungesund behandelt habe und dass meine Seele immer mehr gehungert hat.

Es ist nicht entscheidend, was du in deinen Körper steckst, sondern was in deinem Kopf feststeckt.

Ernährungsberatung

Körperintelligenz

Es kann sein, dass du durch dein essgestörtes Verhalten dein natürliches Hunger- und Sättigungsgefühl verloren hast oder ihm nicht (mehr) traust. Doch es ist da, es ist uns angeboren und Teil unserer Körperintelligenz. Ich empfinde die Idee heute als absurd, dass mein Kopf entscheiden soll, was mein Körper braucht oder bekommt.

Und obwohl ich regelrecht besessen von dieser Kontrolle durch Kalorienzählen war, habe ich sämtliche Kalorientabellen vergessen. Dieses ungesunde Wissen ist komplett weg, ich habe keine Ahnung mehr und es interessiert mich null.

Ich esse angstfrei und genussvoll, bis ich angenehm satt bin. Es ist geradezu absurd simpel.

An dieser Stelle taucht meist der folgende Glaubenssatz bei MindMates auf:

Wenn ich mich einfach so essen lasse, werde ich Unmengen von ungesundem Zeug essen und enorm zunehmen.

Ach ja? Hast du es wirklich schon mal längerfristig ausprobiert? Lass uns doch mal ein gedankliches Experiment machen: Nehmen wir einmal an, du könntest IMMER ALLES ohne schlechtes Gewissen essen. Was würde dann passieren? Du würdest JETZT das essen was du willst, und aufhören, wenn du satt bist. Warum? Weil du IMMER ALLES haben darfst. Hast du in drei Stunden wieder Hunger, kannst du ja wieder essen. Es ist IMMER ALLES da und du darfst IMMER ALLES guten Gewissens haben. Warum solltest du jetzt zu viel essen?

Das passiert nur, wenn wir durch Verbote und Ängste eine künstliche Verknappung erzeugen. Dann kommt die Gier, der Mangel, das Ungesunde.

Außerdem ist unser Körper schlau. Sein Job ist es, unser Überleben zu sichern. Und das kann er am besten gewährleisten, wenn wir ein gesundes Gewicht haben. Auch hier liegt der Perspektivwechsel darin, dieses Gewicht von unserem Körper bestimmen zu lassen und nicht von unserem Kopf.

Und ein gesundes, auf unserer Körperintelligenz basierendes Gewicht, kann nie extremes Über- oder Untergewicht sein. Denn das beansprucht unsere Körpersysteme, vor allem das Herz-Kreislauf-System, zu sehr.

Deshalb sehe ich auch die Body-Positivity-Bewegung von stark Übergewichtigen eher kritisch. Denn ja, es ist richtig und wichtig, seinem Körper gegenüber eine positive Einstellung zu haben, egal welches Gewicht er hat.

Doch ist er stark übergewichtig, dann ist das meist ein Anzeichen dafür, dass mit Essen kompensiert wird. Und da gilt es, ehrlich hinzuschauen.

Mein Fazit zur Ernährungsberatung

Eine Ernährungsberatung mag häufig seriöser sein als die Diät einer Frauenzeitschrift. Doch in ihrer Wirkung kann sie, vor allem bei Essgestörten, ähnlich kontraproduktiv sein. Es sei denn, die Ernährungsberatung beinhaltet einen ganzheitlichen Ansatz, indem zusätzlich „Ursachenforschung“ betrieben wird.

Die beste Ernährungsberatung findet dann statt, wenn wir angstfrei und unvoreingenommen auf unseren Körper hören können. Und es ist möglich, wieder dorthin zu kommen.

Mind your body’s intelligence

MindMuse Simone

P.S.: Hier findest du einen Artikel aus der Frankfurter Rundschau (2019) mit dem provokanten Titel „Diäten machen dumm“, in dem der bekannte und umstrittene Lebensmittelchemiker Udo Pollmer interviewt wird. Zwar kann ich nichts zu den wissenschaftlichen Hintergründen seiner Argumente sagen, aber meine Erfahrungswerte bestätigen weitestgehend das, was er sagt.

Und vor allem fordert er, was ich schon 2017 in einem Schreiben an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und an das Bundesministerium für Gesundheit gefordert habe: Einen verpflichtenden Hinweis auf die möglichen gesundheitlichen Folgen von Diäten, wie es beispielsweise bei Zigaretten der Fall ist.

18 Antworten
  1. Susanne Laufer says:

    Also ich bin auch noch bei dem Weg weg von meiner Essstörung. Leider hab ich den weg zum normalen satt- und hungergefühl bis jetzt noch nicht gefunden.deshalb habe ich in den letzten Monaten viel an Gewicht zugenommen.
    mal schauen wie es die nächsten Monate klappt. Gruß Susanne

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    • Simone Happel says:

      Liebe Susanne,
      du hast dich bewusst auf deinen Weg gemacht und damit bist du schon viel weiter, als so manch andere. Versuche bitte, nett zu dir und geduldig mit dir zu sein und die Ursachen und aktuten Auslöser der ES besser zu verstehen. Ich weiß, wie hilflos man sich durch diese Gewichtszunahme fühlen kann. Denn auch ich hatte eine Binge Eating Phase. Doch je mehr du deinem Körper vertrauen kannst, desto mehr wird er dir vertrauen. Die große Herausforderung liegt hier immer wieder darin zu erkennen, dass der Kopf in Bezug auf unser Essverhalten, Gewicht und Aussehen nicht die besten Entscheidungen für uns trifft…
      Liebe Grüße
      Simone @MindMeals

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  2. Agnes says:

    Die meisten Betroffenen sind Ernährungsexperten. Wir müssen uns ständig mit Essen beschäftigen. Darum finde ich, eine Ernährungsberatung bringt nichts. Zeigt nur wieder auf ‚du kannst es nicht’… Mehr würden Strategien helfen, was kann ich bei einem akuten Anfall tun. Wie kann ich meine Lust auf Essen aushalten, eben nicht zu Fressen. Danke, LG, Agnes

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    • Simone Happel says:

      Liebe Agnes,
      ja genau, das ist erfahrungssgemäß das, was immer wieder passiert: Wir können uns eben nicht dauerhaft an Esspläne – egal von wem halten – und bestätigen somit unseren Ur-Glaubenssatz „Ich bin nicht gut genug“, der widerum die ES nährt. Was deine Frage betrifft, helfen dir vielleicht folgende Denkanstöße: Wenn ein akuter Anfall bevorsteht, ist es meistens zu spät. Ist der Druck zu groß, kannst du nichts mehr tun. Und daran bist du nicht Schuld und es liegt auch nicht an mangelder Willenskraft. Doch du kannst hinterher etwas tun. Und zwar eine Art „Rückfallbericht“ schreiben. Versuche herauszufinden, was diesen „akuten Anfall“ genährt hat. Hattest du vielleicht tatsächlich körperlichen Hunger, weil dein Kopf dir vorher zu viel verboten hat? Was hat dir zuvor innerlich Druck gemacht, welche Grenzen hast du überschritten, welche Bedürfnisse ignoriert? Hattest du Pausen in deinem Alltag, hast du Dinge getan, dir dir einfach nur gut tun und/oder Spaß machen? Denn das kommt bei Essgestörten meist zu kurz. Und in diesem Sinne stelle ich gerne die folgende Frage: Wie kannst du dir (anders als mit Essen) dein Leben versüßen? Oder auch: Wonach hungerst du wirklich, was fehlt dir in deinem ErLeben? Es ist meiner Erfahrung nach enorm wichtig, die Rückfälle immer besser zu verstehen, und uns mit den Ursachen zu beschäftigen. Denn wenn wir sie verstehen, verurteilen wir uns weniger und kommen auch wieder ins Handeln. Beides entzieht den Rückfällen die Nahrung. Beispiel: Du kannst dein Essverhalten vielleicht nicht kontrollieren, aber du kannst bewusst Pausen machen, deine Grenzen und Bedürfnisse erforschen und dich Häppchen für Häppchen daran halten. Und das wird über lang oder kurz dein Essverhalten beeinflussen.
      Liebe Grüße
      Simone @MindMeals

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  3. Susanne says:

    Ich habe selbst auch schon die Erfahrung gemacht, dass Ernährungstherapien nicht förderlich für die Essstörung sind. Selbst eine Ernährungstherapie für Essgestörte brachte mich nicht weiter, obwohl der Fokus überhaupt nicht darauf lag, was ich esse, sondern eher bei der Ursachenforschung und das Hineinspüren in den Körper, um zu einem intuitiven Essverhalten zu gelangen.

    Was aber, wenn zusätzlich zu der Essstörung noch andere Krankheiten vorhanden sind, die eine Beschäftigung mit dem Essen mit sich bringen, wie z.B. Reflux, Diabetes oder ähnliches?

    Antworten
    • Simone Happel says:

      Liebe Susanne,
      ja, weitere Erkrankungen, die naturgemäß eine Beschäftigungn mit dem Essen beinhalten, macht den Umgang mit der ES nicht unbedingt leichter. Erstmal finde ich es wichtig, einen Arzt oder eine Ärztin zu haben, bei der man sich sowohl medizinisch als auch menschlich gut aufgehoben fühlt und der/die eventuell auch von der ES weiß. Denn so eine zusätzliche Erkrankung in Verbindung mit Heimlichkeit kann den inneren Druck noch größer machen: „Ich muss die ES unbedingt in den Griff bekommen, denn ich habe ja auch noch xy!“ Und dann geht es darum, das medizinisch Notwendige von der ES trennen zu können. Anders gesagt: Wie sieht dein individuelles „Ich darf IMMER ALLES essen aus?“

      Doch in Bezug auf die ES sind die Ursachen und das Verstehen entscheidend. Deshalb interessiert mich, warum die „Ernährungstherapie für Essgestörte“ deiner Meinung nach nicht geholfen hat?
      Liebe Grüße
      Simone @MindMeals

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      • Susanne says:

        Mich hat es enorm unter Druck gesetzt, eine Ursache finden zu „müssen“. Viele Themen sind bereits bearbeitet und ich weiß wirklich nicht mehr, wo ich da noch ansetzen soll. Irgendwie hat mich das bei der Ernährungstherapie mehr gestresst, als dass es geholfen hätte.

        Antworten
        • Simone Happel says:

          Ja, das verstehe ich. Und meistens gibt es ja nicht die eine Ursache, sondern es ist eine Kombination. Das trifft einerseits auf die Auslöser der ES zu und auch auf die Auslöser der Rückfälle. Druck ist immer kontraproduktiv. Und er kommt häufig mit dem Begriff „muss“ einher. Und wir müssen gar nichts. Wir können, wir dürfen, wir wollen, … Danke für deine Antwort!

          Antworten
  4. Yvonne says:

    Hallo Ihr Lieben,
    Paradox sag ich nur: ich war 35 Jahre Bulimikerin. Ich habe mich vor 10 Jahren kurzweilig mit XXXernährung befasst. Und bin nun wieder daraufgekommen. Ein Satz laß ich: es könnte sein, dass wenn man sich nicht richtig ernährt, eine Essstörung entstehen könnte. Aha. Davor laß ich, nie wieder Eßanfälle: das war nicht konkret die richtige Lösung, doch etwas aus beiden leuchtete mir ein. Ich folgte meinem Instinkt. Aß nur noch, was ich eigentlich wollte ( nämlich das was XXX eigentlich gut tat)
    Und plötzlich: ich hatte kein Verlangen mehr nach dem was die Bulimie antrieb. Ich kann nur sagen, ich habe für mich einen Weg gefunden. Es ist sehr individuell diese Essstörung(?)
    Ich hoffe ich konnte einen Impuls geben. Ich wünsche euch allen den richtigen Weg zur rechten Zeit am richtigen Ort 🙌

    Antworten
    • Simone Happel says:

      Liebe Yvonne,
      da du eine bestimmte Diät bzw. Ernährungsweise beschreibst, habe ich diese durch XXX ersetzt. Denn ich möchte hier jenseits von „Lerne, wieder auf deinen Körper zu hören und ihm zu vertrauen“ keine Ernährungsweise propagieren. Und ist es nicht auch bei dir vielleicht viel mehr „Ich folgte meinem Instinkt, aß nur noch, was ich eigentlich wollte“ gewesen, als „das was XXX gut tat“? Denn es gibt sogar eine Studie zu XXX die widerlegt hat, dass XXX wirklich funktioniert. Doch letztlich ist entscheidend, dass du für dich (d)einen individuellen Weg gefunden hast. Und vielen Dank für deine Wünsche, die kann ich nur unterstreichen.
      Liebe Grüße
      Simone @MindMeals

      Antworten
  5. Anne says:

    Als ich angefangen habe für mich zu akzeptieren, dass ich eine Essstörung hatte, war ich bei einer Ernährungsberatung. Nicht, weil ich gehofft habe, dass sie mir einen Essensplan macht, der mir aus der Störung heraushilft. Ich konnte mich zu dem Zeitpunkt einfach noch nicht überwinden, eine Therapie zu machen. Aber es war ein erster Schritt, mich wirklich damit auseinander zu setzen.
    Natürlich lässt sich schwer sagen, ob es geholfen hat. Aber auch alle anderen Schritte, die ich unternommen habe, haben nicht alleine für sich geholfen. Für mich war es ein langer Prozess mit vielen kleinen Schritten, und die Ernährungsberatung war ein (sehr kleiner) Teil davon. Trotzdem finde ich die Kritik an der Art und Weise bestimmter Beratungen berechtigt. Für mich war es ein kleines Puzzlestückchen.

    Antworten
    • Simone Happel says:

      Liebe Anne,
      ja, auch ich kann für mich sagen, dass es ein Weg der vielen kleinen Schritte gewesen ist. Und das was du beschreibst, finde ich sehr nachvollziehbar und das geht sicherlich vielen so. Denn wenn wir uns auf eine Therapie einlassen, gestehen wir uns ein, dass wir offensichtlich nicht „nur mit dem Essen“ ein Problem haben. Letztlich gibt es nicht den einen Weg, der für alle gleich ist. Was meiner Erfahrung nach gleich ist, ist, dass es ein Weg hin zu uns selbst ist. Doch wann wir welchen Schritt mit wem gehen, ist individuell. Und deshalb erinnere ich hier noch mal an mein Motto, denn für dich hat es scheinbar auch funktioniert: Sei dir SELBST gegenüber absolut ehrlich und nutze das, was DIR hilft, solange DU es brauchst.

      Wie schön, dass du deinen Weg gefunden hast und ihn gegangen bist!
      Liebe Grüße
      Simone @MindMeals

      Antworten
  6. Britta says:

    Ich kann deinen Artikel so unterschreiben. Ich habe binge eating seit mehreren Jahren, ausgelöst durch eine vorangegangene Diät und der Kampf, die abgenommenen Kilos nicht wieder zuzunehmen. Die Gedanken kreisten ständig um essen und nicht essen. In meinem Kopf waren unendlich viele Regeln. Was ich wann und wie viel essen darf, gute und schlechte Lebensmittel, und dann der Kontrollverlust in einem Essanfall. Die Ernährungsberatung die ich später aufsuchte, ist glücklicherweise psychologisch geschult- wir haben über alles geredet, aber nicht über Essen. Mittlerweile höre ich die Stimmen im Kopf nur noch vereinzelt und ganz leise. An der Stelle habe ich weitestgehend Frieden, habe aber noch einen Vertrauensverlust mir und meinem Körper gegenüber. Ich darf jetzt lernen, dass ich die satt- Signale ernst nehmen darf. Dass ich nicht verhungern muss und es an jeder Ecke etwas zu kaufen gibt.
    Eine Ernährungsberatung, die auf Plänen basiert, lehne ich kategorisch ab: es bringt nur so lange was, so lange ich mich an das Konzept halte. Ich bin mittlerweile allergisch auf alles, was auch nur im entferntesten daran erinnert, dass es sich wie eine Diät anfühlt. Ich möchte wieder ein men normalen Umgang mit Lebensmitteln haben ohne groß darüber nachzudenken. Einfach genießen.

    Antworten
    • Simone Happel says:

      Liebe Britta,
      vielen Dank, für deinen Erfahrungsbericht. Das kenne ich – und sicherlich viele andere hier – nur zu gut, diese Besessenheit von Essen und der dadurch entstehende Teufelskreis. Du bist auf einem sehr guten Weg,denn du schreibst Dinge wie „ich darf jetzt lernen“ und „einfach genießen“. Das zeigt, dass du geduldig mit dir bist und Verständnis für dich hast. Und das ist so wichtig. Denn dieser harte, verurteilende und fordernde Umgang mit uns selbst bringt uns nicht weiter. Und ich „leide“ übrigens genau wie du an einer „Diät-Allergie“ ;) Ich wünsche dir, dass du deinen Weg vertrauensvoll weiter gehen kannst. Und dass du dir der Tatsache bewusst bist, dass du in vielen Momenten deines täglichen ErLebens schon angekommen bist. Denn wir sind nicht erst dann genesen, wenn die ES komplett weg ist. Dieser letzte Schritt ist auch „nur“ ein Schritt. Und die Schritte davor sind genau so wichtig und notwendig.
      Liebe Grüße
      Simone @MindMeals

      Antworten
  7. Regine says:

    Aus meiner Erfahrung heraus, ist es hilfreich erstmal pauschal nichts grundsätzlich abzulehnen.
    Viele ( viele!) Jahre war mein erstrebenswertes Ziel, ein freies Leben durch das Erreichen von intuitiven Essen. ( Therapie, Coaching etc) Alles andere kam mir wie Scheitern vor.
    Heute gehe ich sehr viel milder mit mir um. Nehme ich nämlich, dieses „oberstes“ Ziel aus meiner Gedankenwelt heraus, so waren das Ausprobieren , das Weglassen von bestimmten Nahrungsmitteln für meinen Körper und meinen Geist zeitweise sehr positiv . Vielleicht auch nur, dass ich zeitweilig bewusst mich dazu entschließe oberflächlich Kontrolle über meinen Alltag zu bekommen. ( oder abzugeben)
    Dann gibt es auch wieder Zeiten, wo ich mit mir in die Stille gehen kann, im Kontakt mit meinem Selbst, was genau weiß was mich nährt. Ein wunderbares Gefühl. ( hält aber auch nicht ewig 😉)
    Um noch mal auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen, ich empfinde es als sehr wichtig, sich mit seinen Blockaden, Glaubensätze und Gefühlen auseinander zu setzten, sie ins Bewusstsein zu bringen. Sich immer wieder die Frage stellen, wer bin ich eigentlich? Es gibt aber auch Zeiten in diesem komplexen Leben , da bin ich nicht ganz so bewusst , finde vieles blöd, fühle mich schlecht, erschöpft, was auch immer.
    Und vielleicht spürt man dann gerade , dass man Unterstützung von außen benötigt. Und das kann dann vielleicht auch eine Ernährungsberatung sein… oder eine Umarmung, eine Zimtschnecke, was auch immer.
    Lasst uns milder zu uns und anderen sein.
    LG Regine

    Antworten
    • Simone Happel says:

      Liebe Regine,
      herzlichen Dank für dein Gedankenfutter. Ja, es geht auch mir nicht um das Pauschalieren sondern und das Hinweisen darauf, dass es nicht an uns selbst liegen muss, wenn ein bestimmter Ansatz oder eine Methode nicht funktioniert. Und bei einer typischen Ernährungsberatung in Verbindung mit einer ES ist das häufig der Fall. Wichtig finde ich auch, deine Erinnerung daran, dass es solche und solche Zeiten gibt. Manchmal geht es eben eher um das Funktionieren. Und das stecken wir viel besser weg, wenn wir immer wieder bewusst für Ausgleich sorgen, für (stille) Momente mit uns selbst. Und absolut ja: „Lasst uns milder zu uns und zu anderen sein.“ Erfahrungsgemäß ist ersteres eine wichtige Voraussetzung für zweiteres.
      Liebe Grüße
      Simone @MindMeals

      Antworten
  8. Diana says:

    Liebe Simone,
    es ist wunderbar, daß Du das ansprichst. Ich habe auch erfahren, daß mir Ernährungsberatungen nicht gut tun. Zumal mich Frauen berieten, die irgendwie doch selbst essgestört wirkten.
    Heute gibt es für mich zwar Tricks, wie ich mich in meinen Wechseljahren genährter fühle. Aber das verhindert nicht, oft Kruscht in schmerzhafter Menge zu vertilgen, wenn ich wieder „kruschtig“ bin. Bspw. ist der Süßhunger mittags momentan durch nächtlichen Deftighunger ausgetauscht.
    Ich habe das Gefühl, ich bräuchte jahrelangen Urlaub nur für mich, um mein Gespür und die innere Stimme wieder zu erlangen … und nicht so sehr auf sämtliche Bedürfnisse oder Erwartungen anderer anzuspringen.
    Ich glaube, die wichtigste Erkenntnis für mich war, daß die Eßstörung nicht mein Feind ist. Das sie mich eigentlich bewahren wil und hilft mich zu erden, in die Mitte zu bringen und loszulassen von Pflichtgefühlen und Verantwortung. Sie wandelte in diesem Moment ihr Gesicht, als ich sie nicht mehr verteufelte. Es ist ein bisschen wie ein Zwiegspräch über Materie, denn die hat Gutes wie Schlechtes in sich. Es ist auch überhaupt das Thema Rebellion gegen Konsum und Gesellschaftsnormen, anstelle von sich richtig und gut fühlen, genauso wie man ist. Und künftig okay zu sein mit dem, wie man die Dinge tut, sieht und umsetzt. Im eigenen Rhythmus.
    Genaugenommen hilft mir am Meisten, das Leben und mein Wirken gelassen zu sehen (und sehr oft tief durchzuatmen;).
    Zur Zeit sehe ich mir Menschen ganz anders an, also nach dem „Götterfunken“ in ihnen und bestimmt nicht nach äußeren Prämissen.
    Und vielleicht ist ja jede/r heutzutage süchtig. Nach Konsum, Image, Drogen, Arbeit, Geltung, Tatoos, Sport, Sauberkeit, Medien, Nikotin, usw. Wieso sollte das alles besser sein?
    Also bitte kasteien wir uns nicht länger für unsere Bedürfnisse.
    Danke Simone, daß Du ein Teil meiner Genesung bist. Schon allein Deine Wortschöpfungen wie „mindmeals“ und „lebenshungrig“ bringen auf den Weg.
    LG :Diana

    Antworten
    • Simone Happel says:

      Liebe Diana,
      ganz herzlichen Dank für die nährenden Einblicke in deine Gedankenwelt. Ja, ich befürchte auch, dass relativ viele Ernährungsberaterinnen selbst essgestört sind. Einige sind durch das intesive Beschäftigen mit dem Essen krank geworden, andere sind den umgekerhten Weg geganggen. Dafür spricht auch das von Pollmer im Artikel erwähnte Plakat: „Es gibt von einer Schweizer Suchtpräventionseinrichtung ein Plakat, auf dem eine Frau gezeigt wird, die sagt: Früher war ich essgestört, heute bin ich Ernährungsberaterin.“
      Vielleicht hast du schon viel mehr von deinem Gespür und deiner inneren Stimme wieder erlangt, als dir bewusst ist? Und wenn du wahrscheinlich nicht jahrelang Urlaub für dich machen kannst, so kannst du doch vielleicht immer mal wieder Urlaub alleine machen und möglicherweise täglich 30 Minuten „Urlaub mit dir selbst“ in deinen Alltag integrieren? Ich gönne mir täglich mindestens eine Stunde. Einfach deshalb, weil ich das brauche und weil ich nicht mehr bereit bin den Preis zu zahlen, wenn ich diese Zeit für mich nicht habe. Abgesehen davon profitiert mein ganzes Umfeld davon.
      Ja, die Essstörung ist nicht unser Feind. Sondern sie ist ein Symptom, das auf eine Ursache hinweist. Auch für mich war dieser Perspektivwechsel enorm wichtig. Denn er hat der ES viel Macht genommen, ohne, dass ich sie verharmlost habe. Rebellion gegen Systeme ist ebenfalls ein wichtiger Teil davon, doch wir rebellieren eben stattdessen gegen uns selbst, gegen unseren Körper. Und es ist so wichtig, das zu sehen und zu verstehen und zwar ohne sich dafür zu verurteilen.
      Und ja, es gibt diverse Abhängigkeiten in unseren Systemen, manche davon – wie beispielsweise die Arbeitssucht – wird sogar von vielen Menschen positiv betrachtet. Während es bei Essgestörten darum geht, Anerkennung und Aufmerksamkeit für unser Aussehen zu bekommen, geht es bei Arbeitssüchtigen um Annerkennung und Aufmerksamkeit für Leistung. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass ich eine Art inneres Frühwarnsystem von Abhängigkeiten entwickelt habe. Deshalb bin ich beispielsweise auch ganz raus aus den Sozialen Medien und ich lasse sehr bewusst häufig mein Smartphone zu Hause.
      Danke, dass ich Teil deiner Genesung sein kann und ich freue mich, dass dich meine Wortschöpfungen ansprechen.
      Liebe Grüße
      Simone @MindMeals

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