Ist mein Verhalten normal oder habe ich schon eine Essstörung?

„Ich habe doch keine Essstörung, oder?“

Diese Frage las ich kürzlich in einem Forum über folgendes Verhalten: „Ich esse nur noch einmal am Tag. Mehrmals täglich wiege ich mich, denn ich habe große Angst, wieder zuzunehmen. Wenn ich endlich mein Traumgewicht habe und man meine Wirbelsäule richtig gut sehen kann, esse ich vielleicht wieder mehr. Momentan fühle ich mich aber sehr mies, wenn ich zu viel esse. Manchmal bestrafe ich mich auch durch hungern, das gibt mir dann irgendwie ein gutes Gefühl von Macht.“

Ja, natürlich ist das kein „normales Verhalten“ mehr…

Aber was bringt es, wenn andere die Essstörung erkennen, die Betroffene sich jedoch als normal empfindet? Und empfindet sie ihr Denken und Handeln als normal, weil sich so viele Mädchen und Frauen ähnlich verhalten?

Wo verläuft die Grenze zwischen „normalem Verhalten“ und Essstörung?

Für mich „sitzt“ die Essstörung in erster Linie im Kopf. Sie entsteht durch unsere Art zu denken und dieses Denken wiederum führt zu gewissen Gefühlen, Handlungen und Resultaten.

Es ist normal, sich gut fühlen zu wollen. Glaubst du aber, dass du dich nur gut fühlen kannst, wenn du sehr dünn bist, befindest du dich an einer gefährlichen Grenze. Die Grenze ist überschritten, wenn du:

  • dich gar nicht oder sehr häufig im Spiegel betrachtest und nie zufrieden bist mit dem, was du dort siehst
  • dich ständig wiegst und dein Lebensgefühl von Gewichtszahlen abhängig ist
  • eigentlich immer auf Diät bist, dich selten oder nie satt isst, Fett und Kalorien vermeidest bzw. als „böse“ ansiehst
  • dein Hungergefühl häufig durch Kaugummi, Zigaretten oder Wasser unterdrückst
  • übermäßig viel Sport treibst und zwar hauptsächlich, weil du abnehmen möchtest
  • dich erbrichst, Abführmittel nimmst oder ständig viel zu viel isst
  • sehr perfektionistisch bist und dir die Meinung anderer über dich – dein Aussehen –  extrem wichtig ist

Das Problem ist, dass man all diese Dinge häufig erst dann erkennt, wenn man schon tief in der Essstörung drin ist.

Wie ist es, sich wieder „normal“ zu verhalten?

Seit ich keine Essstörung mehr habe, sieht mein Leben – bezogen auf die oben aufgeführten Punkte – so aus:

  • Ich schaue nicht all zu häufig in den Spiegel und ich finde okay was ich dort sehe.
  • Ich wiege mich nur beim Arzt (falls notwendig) und mein Lebensgefühl hat nichts mit meinem aktuellen Gewicht zu tun.
  • Ich bin nie auf Diät, esse mich immer satt und ich habe ein neutrales Verhältnis zu Fett und Kalorien
  • Wenn ich Hunger habe, esse ich.
  • Ich treibe relativ regelmäßig Sport, aber in Maßen
  • Ich erbreche mich nicht mehr, nehme keine Abführmittel und esse nie zu viel.
  • Ich bin deutlich gelassener geworden und mir ist nur noch meine eigene Meinung über mich selbst wichtig.

Wo stehst du gerade? Und kannst du dich daran erinnern, wann und wie du deine Grenze von „normal“ zur Essstörung überschritten hast?

lebenshungrige Grüße

Simone