Auszeit. Ich hab’ die Nase voll!
Sie hat sich tagelang angekündigt, meine Erkältung. Und zwar mit Ohrenschmerzen. Jetzt liege ich mit Tee und Taschentüchern im Bett und frage mich, wovon ich “die Nase so voll habe?”
Neben einer Menge Rotz lautet die Antwort Alltag.
Der Kurzurlaub in der Schweiz hat scheinbar nicht gereicht und so zieht mein Körper gerade die Notbremse. Wie gut, dass die Ferien quasi vor der Tür stehen, denn im Gegensatz zu früher ist meine Alltagsgestaltung nicht mehr von mir alleine abhängig.
Es gibt sehr viele Termine und Gegebenheiten, nach denen ich mich richten muss. Schule, Kindergarten, Dienstreisen des Gatten, Termine für meine Websiten, usw.
Hier geht es um das Thema Grenzen setzen.
Und Essgestörte können das nicht wirklich gut. Daher halte ich es für sehr wichtig, am Gesundwerden von der Essstörung zu arbeiten, wenn die äußeren Bedingungen noch eher flexibel sind. Ich weiß, dass es auch in der Schule, der Uni oder im Job wichtige Fristen gibt, aber spätestens wenn Kinder dazukommen, wird es sehr schwierig mit den eigenen Grenzen angemessen zu haushalten, wenn man es nicht mal ohne Kinder einigermaßen gut hinbekommen hat.
Grenzen setzen zu können heißt, dass ich meine (psychischen, physischen und geistigen) “Randzonen” kenne und dass ich auch dafür sorge, dass diese Grenzen eingehalten werden.
Wer Grenzen setzen kann, kann NEIN sagen.
Nein zu der Freundin, weil Du nicht schon wieder Party machen kannst; nein zum Freund, weil Du diesen Rock zu kurz findest auch wenn er ihm so gut gefällt; nein zur Frage vom Chef bezüglich eines weiteren Projekts, weil Du wirklich voll ausgelastet bist; nein zur Schwester, weil Du nicht schon wieder auf ihr Kind aufpassen möchtest.
Ein NEIN zu anderen bedeutet ein JA zu Dir selbst.
Wir sagen so oft JA zu anderen, wenn wir eigentlich NEIN meinen, weil wir Angst vor deren Reaktion haben. Da wir uns selbst kaum wertschätzen, sind wir von der Wertschätzung anderer abhängig. Sie sollen uns toll finden, uns mögen und uns die Bestätigung geben, die wir uns selbst nicht geben können. Wir glauben, dass sie uns nicht mehr gerne haben, wenn wir NEIN zu ihnen sagen.
Wenn Du aber Deine Essstörung los werden willst, solltest Du lernen, Dein NEIN zu akzeptieren und es auch auszusprechen. Letztlich tust Du damit auch allen anderen einen Gefallen. Denn wird Deine Freundin wirklich Spaß mit Dir haben, wenn Du gar nicht in Partystimmung bist? Oder wird Dein Chef zufrieden sein, wenn Du das Projekt zu spät oder fehlerhaft ablieferst? Ja, manchmal bedeutet ein NEIN zu anderen, dass es einen Konflikt gibt und den gilt es auszuhalten. Dann wirst Du erfahren, dass ein NEIN nicht das Ende bedeutet. Im Gegenteil. Du fühlst Dich besser und die anderen bringen Dir mehr Respekt entgegen. Learning by doing ist da angesagt…
Und manchmal sagt eben der Körper NEIN. Er hat die Nase voll vom Funktionieren!
Und auch dieses NEIN gilt es zu achten. Während ich mich früher einfach nur geärgert habe, wenn mein Körper nicht funktioniert hat, nutze ich Erkältungszeiten heute für erholsame Auszeit-Stunden im Bett. Und weil ich so gerne arbeite, darf ich neben lesen, nachdenken, dösen und IPodhören sogar ein bisschen davon erledigen ;)
Wie gehst Du mit krankheitsbedingten Auszeiten um, wie gut kennst Du Deine Grenzen?
lebenshungrige Grüße
Simone