Pikantes Allerlei zum Jahresende

Am 06. Januar  2026 wird meine Website bereits 20 Jahre online sein. Als ich im Jahr 2005 begann, die Inhalte für lebenshungrig.de zusammenzustellen, waren wir internet-technisch Lichtjahre entfernt von heute.

Was damals Mangelware war, ist heute im Überfluss vorhanden. Ich meine damit Informations- und Hilfsangebote. Doch alles, was im Überfluss vorhanden ist, verleitet zu schnellem Konsum. Zu einem Konsum, der – einfach nur aufgrund der Masse –  häufig mental und emotional schwer zu verdauen ist. 

Mental überfressen, emotional unterernährt

Es scheint immer mehr Probleme, immer mehr Erklärungen und immer mehr Lösungsansätze zu geben. Also immer mehr von allem. Das wäre schon herausfordernd genug, wenn lediglich Menschen mit einigermaßen ehrlichen Absichten am Werk wären. Aber dem ist nicht so. 

Denn wo viel los ist, muss der Einzelne viel tun, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Und Aufmerksamkeit bekommt, wer auffällt. Auffällt, wer polarisiert oder provoziert. Und beides muss nicht grundsätzlich falsch oder negativ sein. 

Druckmittel

Doch es bedeutet häufig, dass mit künstlicher Verknappung und extremen Botschaften im Sinne von

Du musst unbedingt jetzt (bitte Beliebiges einsetzen) tun, sonst ist alles vorbei und du bist selbst schuld!

eine ordentliche Portion Druck daherkommt. 

Und Druck ist so ziemlich das Letzte, was unsichere, unglückliche und/oder unzufriedene Menschen gebrauchen können.

Erschwerend kommt hinzu, dass unterschiedliche Angebote automatisch auch diverse Widersprüche bedeuten. Während der eine Guru orakelt: „Es funktioniert nur so“, predigt der andere: „So geht es keinesfalls.“ Wie denn jetzt?

KI-Kotze

Und hat der künstlich intelligente Algorithmus erstmal das Problem erkannt, sorgt er dafür, dass du regelrecht unter weiteren Angeboten begraben wirst. Der Planet scheint sich plötzlich nur noch um dieses eine Thema zu drehen.

Bots (Software-Roboter) können Inhalte produzieren und sie können darauf reagieren. Und sie tun das mit einer unmenschlichen Effizienz und Geschwindigkeit. Dadurch sorgen sie für noch mehr überflüssige Masse.

Das ganze Internet ist zu einem Sucht-System geworden, das begonnen hat, sich selbst aufzufressen. Denn während wir immer mehr zugespamt werden, werden wir gleichzeitig immer überflüssiger.

Doch das führt – mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung – dazu, dass das Internet immer überflüssiger für uns wird.

Die KI kann zwar Inhalte produzieren, konsumieren und kommentieren. Aber Bots gehen nicht bei sich selbst einkaufen. Denn sie haben kein Geld.

Haben die KI-Götter das entmenschtliche Internet wirklich zu Ende gedacht, oder geht es ihnen lediglich darum, abzusahnen und früh genug auszusteigen?

Asoziale Anonymität

Ich habe die Anfänge des World Wide Web erlebt, und das war unfassbar spannend. Für mich war das Netz, vor allem als Hilfsmöglichkeit, eine Offenbarung. Denn ich wusste aus eigener Erfahrung, welche Hürde alleine die Scham sein kann.

Ein Hindernis, das durch die Anonymität des Internets viel leichter überwunden werden konnte. Doch gerade diese Anonymität ist es auch, die heute, angefeuert mithilfe der KI, Hass, Fehlinformationen und Hetze ermöglicht.

Ich gebe zu, dass ich Vieles am und im Internet satt habe. Vor allem die sogenannten sozialen Medien. Denn die sind in der Summe mittlerweile eher ungesellig und asozial.

Schutzräume sind (nerven)nährende Räume

Und doch ist ein winziger Teil dieses Netzes, nämlich diese Website hier, noch immer mein Zuhause. Der Ort, für den ich verantwortlich bin und den es zu schützen gilt. Ein Ort, der auch ein Schutzraum für euch MindMates ist. Und das halte ich für wichtiger denn je.

Denn hier entscheidest du, ob, was und wann du beispielsweise einen Text lesen willst. Und zwischendurch wirst du weder durch Werbung abgelenkt, noch wird dir vorgeschlagen, welche kurzen Videos du unbedingt als Nächstes konsumieren solltest.

Hier wirst du auch nicht durch künstliche Verknappung unter Druck gesetzt. Und niemand hält dich dazu an, zu allem deinen Senf dazuzugeben.

Mentales und emotionales Slow Food

Um mehr Druck herauszunehmen, werde ich euch zukünftig noch mehr zu zeigen versuchen, wie ich mich ausdrücke. Ich möchte weniger (be)lehren, dafür mehr erzählen. Und zwar durch Worte, Bilder und anhand von Entstehungsprozessen. Wenn wir etwas lesen (sehen, hören), was uns berührt, dann ist das ein ganzheitlicher Vorgang.

Lesen (sehen, hören) wir hingegen etwas, das uns lediglich intellektuell anspricht, bleibt es oft im Kopf stecken und dreht dort seine Kreise. Setzen wir es dann nicht um, setzten wir uns damit unter Druck, indem wir uns Vorwürfe machen. Beispiel gefällig?

  • Heute erzähle ich dir, wie Mindy es geschafft hat, sich emotional von ihrer Mutter zu lösen.
  • Diese fünf Regeln solltest du sofort anwenden, damit du es endlich schaffst, dich emotional von deiner Mutter zu lösen.

Welcher dieser beiden Sätze fühlt sich besser für dich an? 

Körper vor Kopf

Höchstwahrscheinlich der erste, bis sich Bruchteile von Sekunden später möglicherweise dein Kopf einschaltet und sagt: „Aber das bringt doch nichts, ich brauche die Regeln, konkrete Anweisungen, dann …“

Doch so funktionieren wir nicht. Denn wäre es so, wäre die Welt voller glücklicher und gesunder Menschen. Tipps, Tricks und Anleitungen dafür gibt es im Überfluss.

Der Schlüssel liegt nicht im theoretischen Verständnis, sondern im praktischen Erlebnis. Und eine gute Geschichte wirkt sich in Bezug auf Einsicht, Emotion und Inspiration ähnlich auf uns aus, wie ein gutes Erlebnis. Und bestenfalls führt eine gute Geschichte dazu, dass wir uns tatsächlich gute Erfahrungen ermöglichen. 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen für das kommende Jahr viele köstliche Geschichten und Erlebnisse, serviert in sicheren (Lebens)Räumen. 

Mind the pressure

MindMuse Simone