Lebe nach deinem Geschmack?!?

Lebe nach deinem Geschmack – diese Aufforderung ist der (aktuelle) Slogan für MindMeals. Und in diesem Artikel geht es darum, was „Lebe nach deinem Geschmack“ für mich bedeutet.

Lebe nach deinem Geschmack

Die kürzeste Beschreibung für „Lebe nach deinem Geschmack“ lautet: Sei, wer du bist. Und das ist tatsächlich viel leichter gesagt als getan. Zwar sollte es eigentlich das Normalste für uns sein, doch dem ist nicht so. Denn wir haben alle durch Erfahrung und Erziehung vermittelt bekommen, dass wir – so wie wir sind – nicht in Ordnung sind. Und weil wir glauben, dass wir nicht gut genug und irgendwie falsch sind – wollen wir eine andere sein. Denn wir meinen, dass wir dann liebenswerter, gut genug und richtig sind und uns dadurch besser fühlen.

Doch diese grundsätzlichen Annahmen über uns, unser Selbstbild („So bin ich.“) ist unwahr und kann uns eine Menge Probleme bereiten. Denn wir versuchen alles, um unserem Wunschbild („So sollte ich sein.“) zu entsprechen. Aber auch unser Wunschbild ist unrealistisch. Dadurch befinden wir uns innerlich in einem dauerhaften Mangelzustand. Denn egal, wie sehr wir uns anstrengen, wir können nie so perfekt werden, wie wir glauben, sein zu müssen. Diesen Zustand beschreibe ich häufig als „inneren Hunger“, der nicht durch Äußerlichkeiten zu stillen ist.

Und „Lebe nach deinem Geschmack“ im Sinne von „sei, wer du bist“, beinhaltet das Sehen und Verstehen dieses inneren Mangelzustands. Denn er ist letztlich das „Grundnahrungsmittel“ von Essstörungen und anderen psychosomatischen Symptomen. Nehmen wir einmal an, du hättest ein realistisches Selbstbild und gar kein Wunschbild mehr. Das wäre dann ein innerer Zustand von „Ich bin okay, so wie ich bin.“ Kannst du erkennen, dass es dann keinen inneren Mangelzustand mehr gäbe? Und „Ich bin okay, so wie ich bin.“ bedeutet nicht: „Ich bin perfekt.“ Sondern es heißt für mich, dass ich zwar Fehler mache, aber kein Fehler bin.

Dieser innere Zustand, das innere satt sein, ist es, was unser ErLeben verändern kann. Und zwar viel intensiver als irgendwelche Äußerlichkeiten, die wir häufig nicht mal beeinflussen können.

Sei, wer du bist.

„Lebe nach deinem Geschmack“ heißt auch, dass wir unsere Bedürfnisse und Grenzen kennen und wahren. Und dass wir damit aufhören, sie – und damit uns selbst – ständig zu hinterfragen und zu bekämpfen. Denn Annahmen wie „Ich sollte keine Lust auf Süßigkeiten haben“ oder „Ich sollte jetzt nicht müde sein“ sind es, die uns das Leben schwer machen. Es ist nicht die Realität „Ich habe Lust auf Süßigkeiten.“ oder „Ich bin müde.“ Je weniger wir uns mit der Realität anlegen und unsere Bedürfnisse und Grenzen wahrnehmen, deren Überbringer unser Körper ist, desto leichter wird unser ErLeben.

Doch, anstatt dass wir unseren Körper als unseren verlässlichen Freund und Übermittler wichtiger Botschaften erkennen, machen wir ihn zu unserem Feind und versuchen, ihn mit unserem Kopf zu beherrschen. Und das führt meist dazu, dass wir ganzheitlich leiden und entsprechende Symptome haben.

Ist das nicht unrealistisch und egoistisch?

„Ja, aber ich kann doch nicht immer sofort ruhen, wenn ich müde bin!“ ist ein häufiger Einwand an dieser Stelle, „das ist doch nicht realistisch!“ Und nein, du kannst es nicht immer, aber ganz bestimmt viel häufiger, als du dir zugestehst. Und vor allem kannst du dafür sorgen, dass du eine gewisse „Grundausgeruhtheit“ hast. Das Gleiche gilt übrigens auch für das Essen.

Auch ist das Setzten von Grenzen, beispielsweise ein ehrliches NEIN zu einer anderen Person, nicht ansatzweise so egoistisch, wie viele glauben. Im Gegenteil, denn du sagst häufig JA, weil du willst, dass die andere Person dich mag und eine gute Meinung von dir hat. Und somit geht es doch nur um dich selbst und nicht um ein ehrliches JA. Ein JA kann nur dann frei und ehrlich sein, wenn die Meinung anderer über uns nicht das Wichtigste für uns ist. Denn:

Lebe nach deinem Geschmack

Die meisten MindMates, die ich kenne, sind das, was ich früher auch war: egozentrierte People Pleaser. Das sind Frauen, die sich ständig für andere verbiegen und verstellen, weil sie von ihnen wollen, was sie selbst nicht haben:  (Selbst)Achtung, (Selbst)Wertgefühl, (Selbst)Sicherheit und (Selbst)Liebe. Und falls du dich an dieser Stelle ertappt fühlst und sich negative Gedanken und Gefühle einstellen, dann lass dir gesagt sein: Du bist nicht schuld daran und es gibt nichts, wofür du dich schämen solltest.

Denn die Ursache deines Verhaltens liegt in der Diskrepanz zwischen deinem Selbst- und Wunschbild begründet. Das sind Bilder, die in dir entstanden sind, das bist nicht du. Und wegen dieser unrealistischen Bilder lebst du oft ein Leben nach dem Geschmack anderer Leute. Und das wird spätestens dann schwierig, wenn die Geschmäcker der anderen sich widersprechen.

Mach, was du willst?

„Lebe nach deinem Geschmack“ heißt für mich nicht „Mach den ganzen Tag, was du willst.“ Sondern neben dem Wahren meiner Grenzen und Bedürfnisse heißt es vor allem, mir meiner Entscheidungen und deren Konsequenzen bewusst zu sein. So muss ich beispielsweise nicht einkaufen, waschen oder kochen. Ich kann entscheiden, diese Dinge nicht zu tun. Doch das wird Konsequenzen haben. Und weil mich diese Konsequenzen möglicherweise mehr stressen als die Tätigkeiten, entscheide ich mich meistens, sie zu tun.

Doch das bedeutet nicht, dass ich sie total gerne mache. Ich gestehe mir zu, gewisse Dinge nicht gerne zu machen und ich erkenne an, dass ich sie trotzdem tue. Und dafür gönne ich mir früher oder später einen Ausgleich.

Wenn wir zu wenig schlafen, fehlt uns irgendwann Energie. Deshalb ist es nicht nur gesünder, sondern es macht uns das Leben auch leichter, regelmäßig und ausreichend zu schlafen, um so im Alltag wach und aktiv sein zu können. Mit den ungeliebten Tätigkeiten ist es ähnlich. Sie brauchen geliebte Tätigkeiten als Ausgleich. So viele MindMates sind von morgens bis abends getrieben von „Ich muss…“, „Ich sollte…“, „Ich darf nicht…“

„Leben nach deinem Geschmack“ heißt dementsprechend auch, Verantwortung zu übernehmen und häufiger zu sagen: „Ich will (nicht)…“. Denn nur dann können wir diesem inneren Zustand des Ausgeliefertseins und der Ohnmacht gegenteilige Erlebnisse entgegensetzen.

Lebe nach deinem Geschmack – Raum für Rebellion

Weil wir uns für falsch und nicht gut genug halten, unterdrücken wir große Teile unseres Selbst, unserer Gedanken und Gefühle. Und Unterdrückung erzeugt eine Menge Druck. Als ich mir dessen bewusst wurde, verstand ich die Bulimie viel besser. Denn sie hat viel mit Unterdrückung, Ausdruck und Rebellion zu tun. Anstatt gesund gegen das System zu rebellieren, indem wir unserem Selbst Ausdruck verleihen, rebellieren wir gegen und durch unseren Körper. Dieser Druckabbau durch das Kotzen funktioniert kurzfristig und schadet uns langfristig.

„Lebe nach deinem Geschmack“ heißt für mich deshalb auch, gesündere Ausdrucksformen zu finden und täglich zu (er)leben. Einerseits körperlichen Ausdruck in Form von moderater Bewegung. Und andererseits kreativen Ausdruck durch Worte, Farben oder andere Materialien. Gerade diese kreative Form der Rebellion kommt bei vielen MindMates zu kurz. Sie glauben, dass das unwichtig ist.

Doch ich bin mittlerweile der Meinung, dass es das Wichtigste von allem ist. Denn kreativer Ausdruck ist pure Nahrung für die Seele. Vielleicht kennst du deine Grenzen und Bedürfnisse noch nicht gut, oder du kannst sie noch selten wahren, weil dir das ehrliche NEIN zu einer anderen Person schwerfällt.

Doch du kannst jederzeit ein Blatt Papier nehmen und darauf verbal rebellieren. Du kannst alles herauslassen, was dich tatsächlich ankotzt. Du kannst es auch zeichnen oder irgendwie anders darstellen. Auf deine ganz individuelle und einmalige Art. Und das Ergebnis muss nicht schön sein, sondern der Prozess soll dir guttun.

Gleichzeitig auf dem Weg und am Ziel sein

Falls du mein HörErlebnis kennst, dann erinnerst du dich vielleicht an meine Erfahrung im Fotolabor. Dieser Moment, als ich ein Bild meines Auges in der Hand gehalten habe und wie dieser Entwicklungsprozess mir geholfen hat, mich selbst mit anderen Augen zu sehen. Das Wertvolle am kreativen Ausdruck ist, dass er solche Momente für uns erschaffen kann. Magische Momente, in denen plötzlich ein neues, inneres Wissen da ist.

Während der letzten Wochen habe ich lange darüber nachgedacht, warum das so ist. Und ich habe drei Antworten für mich gefunden, die letztlich alle dasselbe sagen:

  1. Wenn wir uns durch kreative Prozesse individuell ausdrücken, erlauben wir uns automatisch,  ganz wir selbst zu sein.
  2. Ein kreativer Prozess ist immer ein ganzheitlicher Vorgang, bei dem die Seele, unser Selbst, im Vordergrund steht und Kopf und Körper zur Umsetzung einbezieht.
  3. Neues, Einzigartiges zu erschaffen liegt in unserer Natur und ist somit unser natürlicher Zustand.

„Lebe nach deinem Geschmack“ heißt also auch: Erlaube dir, dich auf deine Weise kreativ auszudrücken. Dabei geht es nicht darum, ein perfektes (Kunst)Werk zu erschaffen. Sondern es geht um den Prozess und nicht um ein Produkt. Das Erlebnis ist viel wichtiger als das Ergebnis.

Und während des Erlebnisses, wenn du wirklich „im Flow“ bist, bist du gesund. Auch wenn du möglicherweise vor drei Stunden einen Rückfall hattest, oder in fünf Tagen einen haben wirst. Genesung ist kein starrer Zustand in der Zukunft. Heilung entsteht durch immer mehr „gesunde Momente“, die irgendwann zum Dauerzustand werden können.

Während wir auf dem Weg sind, sind wir immer häufiger auch gleichzeitig bereits am Ziel.

Iss, worauf du Lust hast.

Last but not least heißt „Lebe nach deinem Geschmack“ für mich auch: „Wenn du Hunger hast, iss, von dem, was gerade da ist, worauf du Lust hast, bis du satt bist.“ Denn das bedeutet für mich, auf meinen Körper zu hören. Und selbstverständlich beinhaltet das, dass ich meinem Körper absolut vertraue.

Was passiert, wenn ich versuche, kopfgesteuert zu essen, habe ich bereits erfahren. Es hat mich die Hölle der Essstörung durchleben lassen. Auch ich hatte jahrelang Angst, diese Kopfkontrolle aufzugeben. Denn ich glaubte, dass ich dann nur Junk essen und enorm zunehmen würde. Doch genau das ist nicht passiert.

In Bezug auf das Essen vertraue ich ausschließlich auf die Intelligenz meines Körpers und nicht auf die Theorie aus irgendeinem Kopf. Essen, etwas eigentlich so schönes, ist ein so unschönes Thema in unserer Gesellschaft geworden. Es scheint geradezu unanständig, das Wort „Genuss“ mit Essen in Verbindung zu bringen.

Doch je mehr wir unser Essverhalten glauben beeinflussen und kontrollieren zu müssen, desto ungesünder und kranker werden wir. Noch nie gab es so viele Diäten und Ernährungsempfehlungen, wie heute. Und es gab auch noch nie so viele Übergewichtige und Essgestörte wie heute.

Doch wenn wir unseren seelischen Hunger erkennen und stillen lernen, bleibt nur noch „echter“ körperlicher Hunger übrig.

Mind your hungry soul. 

MindMuse Simone

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