Steffis Weg raus aus der Essstörung, rein ins Leben Teil 4: Herausforderungen
Versteckte Süßigkeiten, Ostereier, Brunch mit der Familie und Sekt zum Frühstuck: bei den meisten Menschen steigt bei diesem Bild die Vorfreude. Nicht aber bei Menschen mit einer Essstörung. Essgestörte denken stattdessen an die vielen Kalorien, die aufdringliche Oma die einem noch ein zweites Stück Kuchen aufdrücken will und wie man sich am besten übergeben kann ohne dass jemand es mitbekommt.
Ich bin sicher ihr stimmt mir zu, die erste Variante hört sich nach mehr Spaß an. Leider ist es für uns nicht einfach, Feiertage wie Ostern genießen zu können. Die meisten von uns haben regelrecht Angst davor und überlegen verzweifelt, wie sie sich den Familienfeierlichkeiten entziehen können. So ging es mir damals auch. Ich hatte keine Kontrolle über mein Essen, hatte keine Möglichkeiten mich zurückzuziehen und mir fehlte meine Routine an die ich mich sonst klammerte. Ich saß wie auf heißen Kohlen und der kleinste Kommentar konnte mich aus der Ruhe bringen und dafür sorgen dass ich – aus mangelnder Alternative wie ich reagieren soll – das halbe Buffet leer futterte.
Heute kann ich damit besser umgehen und habe, wie in vielen anderen Bereichen meines Lebens, Mechanismen entwickelt um mit bestimmten Situationen klarzukommen. Erinnert ihr euch an meinen Eintrag über Achtsamkeit im Alltag? All diese kleinen Tricks wende ich während den Ferien oder der Feiertage noch intensiver an. Auch achte ich darauf, dass ich jeden Tag schreibe um meine Gefühle noch stärker als sonst wahrzunehmen und eventuellen Frust früh zu „erkennen“.
Bei mir kommt dazu, dass meine Familie über die ES Bescheid weiß, d.h. ich kann ein Zeichen geben wenn es mir zu viel wird und sie geben mir den Freiraum oder die Unterstützung die ich brauche. Ich kann also nur empfehlen so offen wie möglich mit seiner Familie zu sein, und ihnen klar zu machen dass es nichts mit ihnen direkt zu tun hat, aber dass bestimmte Situationen auf Grund der Essstörung schwierig sein können. Als meine Eltern das verstanden hatten, fühlten sie sich von mir nicht mehr angegriffen oder weggeschoben, sondern konnten mich besser verstehen und mir helfen.
Mittlerweile freue ich mich auf die Feiertage oder Ferien mit meiner Familie. Oft ergreife ich die Initiative und schlage Aktivitäten vor die mir gefallen. Außerdem schlage ich gesunde Rezepte vor, dich ich dann zusammen mit meiner Mutter und Schwester ausprobiere. So habe ich wieder etwas Kontrolle über was auf den Tisch kommt und es macht obendrauf noch Spaß.
Und wenn mir doch alles zu viel wird, ziehe ich mich für ein paar Minuten in ein leeres Zimmer oder das Bad zurück und atme ein paar Mal tief ein und aus. Das wirkt Wunder, glaubt mir.
Ich hoffe also, dass ihr alle eure Ferien genossen habt und der Familienclan euch nicht verrückt gemacht hat. Wenn nicht, dann helfen meine Tipps euch vielleicht zumindestens für die nächsten Feiertage.
Wie waren die Oster-Feiertage für euch?