Die fünfzigste Geschichte (d)einer Essstörung

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Seit ich denken kann war in unserer Familie eines wichtig:

Perfektion, Stärke, Bodenständigkeit und Disziplin!

In einer Familie groß zu werden, die einen ständig “drillt” gut auszusehen, eine gute Figur zu haben und immer zu strahlen – im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen!

Meine “Herkunftsfamilie” war ein Schauspielerfamilie. NIE habe ich mich in so was wohl gefühlt.

Das Schlimmste war immer dieser “Kampf” um Liebe, Geborgenheit und Anerkennung. Machte ich Sport – bekam ich Liebe. Erledigte ich meine Choreografiearbeit – bekam ich Geborgenheit. Doch ich bekam nie die Anerkennung, die ich mir wünschte.

Den ganzen Terz mit Körperarbeit, Tanzen, Schule und Selbstpräsentation ging mir irgendwann am Allerwertesten vorbei. Ich “kündigte” die Beziehung zu meiner Familie als ich 18 wurde.

Die Essprobleme fingen an – als ich mit 8 Jahren – in einem Casting für eine Filmrolle einen Blackout hatte. Zuvor hatte ich heimlich ein Tomaten-Mozarella-Baguette gegessen. Dabei merkte ich, dass ich nicht mehr in das Kostüm passte. Scheinbar hatte mich der Mozzarella im Magen zum Tango aufgefordert. Ich übergab mich in einer versteckten Toilette. Dort war ich nicht alleine, denn ein Mâdchen war auch dort. Diese gab mir eine Tablettenpackung. Sie sagte mir, dass diese Tabletten gegen Lampenfieber helfen würden.  In Wirklichkeit – erst Jahrzehnte später – erfuhr ich durch meine Ausbildung in der Pflege, dass es Apetittzügler waren.

Durch die ganzen Erlebnisse, Erfahrungen und traumatischen Worte brach ich damals zusammen. Die Rolle bekam ich nicht. Stattdessen spielten von da an die Wut und der Hass eine Hauptrolle in meinem Leben. Ich selber und mein Körper waren seitdem “das Schlachtfeld der Gefühle”: Selbstzerstörung, Prostitution, Selbsthass  und Suizidversuche bis ins junge Erwachsenenalter.

Seit ein paar Jahren arbeite ich an der Aggressionsbewältigung. Ich will mir und anderen nicht mehr wehtun. Mein Ziel ist es, einen Sonnenplatz in der VIP-Lounge des Lebens zu bekommen.

NATÜRLICH mit ganz viel Tomaten- Mozzarella-Baguette, Schoki und gemütlichen ” Chilla-Klamotten”.

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?

Das Aufschreiben und Veröffentlichen deiner eigenen Geschichte hilft dir und anderen!

Schicke mir die Geschichte deiner Essstörung an info@lebenshungrig.de und ich veröffentliche sie hier anonym.

lebenshungrige Grüße

Simone