Innere Waage: Von der Schwere in die Leichtigkeit

Heute möchte ich dir davon berichten, was mich während der letzten Wochen gedanklich beschäftigt hat und womit ich mich tatsächlich beschäftigt habe. Im Grunde geht es dabei um unsere innere Waage, um das Aufwiegen dessen, was wir in uns vorfinden:

Mit dem Wechsel von lebenshungrig zu MindMeals hatte ich mir vorgenommen, wieder regelmäßiger zu bloggen. Und nachdem die Infos zum Retreat online gegangen sind, wollte ich mich voll und ganz dem Online-Kurs über Selbstsicherheit widmen. Damit habe ich auch begonnen.

Und dann bekam ich eine starke Erkältung und verbrachte eine komplette Woche überwiegend im Bett. Dort fanden auch die Telefon-Mentorings für mich statt. Und jenseits der Telefonate konnte ich nicht viel machen. In der Woche danach bekam ich starke Rückenschmerzen und konnte überhaupt nicht sitzen. Also verbrachte ich eine weitere Woche hauptsächlich im Bett.

Währenddessen realisierte ich, dass ich innerlich zu kippen begann. Weder hatte ich wie geplant Blogbeiträge geschrieben, noch kam ich mit dem Online-Kurs weiter. Ich drohte auf die schwere, bzw. die abhängige Seite meiner inneren Waage zu kippen.

Was ich damit meine ist Folgendes: Ich stelle mir den Selbst-Erlebnis-Weg bildlich wie eine dieser alten Waagen vor. Auf der abhängigen Seite steht ein großes und schweres Gewicht von einem Kilo. Das ist unsere Ausgangsposition.

Und wenn wir bewusst beginnen unseren SelbstErlebnisWeg zu gehen, fangen wir an, dieses Kilo-Gewicht Gramm für Gramm auf der unabhängigen, leichten Seite aufzuwiegen. Und egal wie klein diese Gegengewichte sind, irgendwann kommt das eine Gramm, das die innere Waage kippen lässt.

Das ist der Moment, in dem die Kompensationsmethoden wie (Ess)Probleme überflüssig werden weil wir unabhängig geworden sind. Und dieser Zustand ist mein neues Normal geworden. Doch es gibt eben auch in meinem Leben die Momente, in denen sich durch äußere Umstände einige Gramm auf die abhängige Seite meiner inneren Waage schleichen.

Ich merke es, weil ich dann Sätze wie: „Warum bist du jetzt schon wieder krank?“ oder „Warum schreibst du keinen Blogbeiträg wenn du den ganzen Tag nur herumliegst?“ in meinem Mind wahrnehme. Außerdem nimmt die Unruhe, die Enge und der Druck in meinem Körper zu. Und ich fühle mich nicht mehr sicher eingebettet als Teil eines großen Ganzen, sondern wie ein kleines, hilfloses und bedrohtes Individuum, das zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

Anders gesagt: Ich bin innerlich auf dem Weg in das vertraute Elend der Opfer-Rolle.

Bewusstes Ausgleichen der inneren Waage

Ein Zustand, der dir möglicherweise vertraut ist.

Doch wie kommen wir da raus?

Welche Gegengewichte können wir auf unsere innere Waage stellen?

Mein erster Schritt ist immer die Selbsterkenntnis. Also die Antwort auf die Frage, wo ich gerade innerlich stehe. In meinem Fall war das der Punkt, an dem meine innere Waage zu kippen drohte. Diesen Standpunkt habe ich durch die vorwurfsvollen Sätze meines Minds erkannt.

Und der darauf folgende Schritt ist das Selbstverständnis, also die Antwort auf die Frage: Wie bin ich hier hin gekommen? Ich habe mir also bewusst gemacht, dass mich die beiden Krankheiten in Verbindung damit, dass ich dem Plan meines Minds nicht folgen konnte, an diesen Punkt gebracht haben. Durch dieses Verständnis verstehe ich mich:

„Ja, das ist blöd gelaufen. Und doch ist es viel mehr meine Erwartungshaltung an mich, die nicht erfüllt wurde, als die Tatsachen selbst, die meine innere Waage kippen lassen können.“

Dadurch wird quasi der dritte Schritt, nämlich die Selbstannahme eingeleitet: „Jetzt wo ich weiß, wo ich stehe und warum ich hier stehe kann ich erkennen, dass es okay ist, hier zu stehen. Und daher kann ich jetzt von hier aus weiter gehen.“

An diesem Punkt kippt meine innere Waage wieder deutlich auf die unabhängige Seite. Es entstehen Sätze wie „Es waren nur zwei Wochen und du bist nicht ernsthaft erkrankt.“ und „Du bist ein Mensch und keine Maschine, die man programmiert und die dann regelmäßig Blogposts ausspuckt.“ in meinem Mind.

Dann nehme ich die vertraute Weite und Entspannung meines Körpers wahr und fühle mich wieder eingebettet in das große Ganze, zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Intuition und die innere Waage

Während dieses Prozesses ist mir noch etwas bewusst geworden: Vor dem Online-Kurs ist die Überarbeitung meines Hörbuchs an der Reihe. Also habe ich vor etwa zwei Wochen damit begonnen. Und wieder hatte ich einen Plan aus dem nichts geworden ist. Denn ursprünglich war ich der Meinung, nur den Anfang und das Ende etwas anpassen zu müssen. Doch dann entwickelte dieses Projekt ein Eigenleben.

Und ich habe beschlossen, dieser Entwicklung intuitiv zu vertrauen und mich darauf einzulassen. Denn was passieren kann, wenn ich zu sehr an den Plänen meines Minds festhalte, hatte ich ja gerade mal wieder durchlebt.

Also habe ich angefangen das ganze Hörbuch umzuschreiben. Und am Ende jeden Tages speichere ich die geänderte Version. Am nächsten Tag kopiere ich sie, schreibe wieder um und speichere abends. Dadurch halte ich jede Tagesversion fest und kann bei Bedarf auch Schritte zurück gehen.

Das LEICHTE LEBEN

Ich erleichtere mir diesen unerwarteten Prozess, in dem ich jeden Morgen damit beginne, das was mich bezüglich des Hörbuchs beschäftigt auf ein DIN A3 Blatt zu schreiben. Und zwar kreuz und quer und völlig ungefiltert. Im Grunde ist das so eine Art verbales Auskotzen:

  • Was gefällt mir noch nicht?
  • Woran zweifle ich?
  • Was will ich noch einarbeiten?
  • Wo bin ich zu perfektionistisch?

Wenn ich damit fertig bin, beginne ich, meine „Verbal-Kotze“ zu übermalen und zu überkleben. Das Ganze nenne ich Junk ’n Joy Journaling. In meinem Magic Room aka Arbeitszimmer stehen zwei Schreibtische. Der eine ist für die Kopfarbeit. Auf diesem Tisch steht mein Computer und darauf schreibe ich das Hörbuch um und dort werde ich es später auch einsprechen.

Und der andere Schreibtisch ist das Gegengewicht und dient ausschließlich dem kreativen Ausdruck. Sobald ich registriere, dass meine innere Waage zu kippen droht weil meine Gedanken zu schwer wiegen, wechsele ich den Tisch und male oder klebe weiter.

So sorge ich stetig für Ausgleich und vermeide das Kippen auf die abhängige Seite meiner inneren Waage. Oder anders gesagt: Bevor eine depressive Phase eintreten kann, begebe ich mich bewusst in eine expressive Phase.

Aus diesem Erlebnis entstanden bisher nicht nur einige interessante Collagen, sonder auch das Bedürfnis, einen Blogbeitrag darüber zu schreiben. Und wieder mal ist mir bewusst geworden: SO funktioniert es, das LEICHTE LEBEN. Denn dieser Blogbeitrag ist aus einem zwanglosen Wollen und nicht aus einem zwanghaften Müssen entstanden.

Und so wird auch mein neues Projekt heißen. Aus dem Hörbuch „Das SATTE LEBEN“ wird das HörErlebnis „Das LEICHTE LEBEN“. Ist dir bewusst, das man diesen Titel so: „Das Leichte leben“ oder auch so: „Das leichte Leben“ lesen kann?

Meine Interpretation lautet:

Je bewusster wir das Leichte leben, desto leichter wird das Leben.

Gramm für Gramm.

Und dadurch kann jede innere Waage irgendwann kippen.

MIND your mental MEALS.

MindMuse Simone